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ZDF dreht mit BBIWS für planet e. - Das neue Waldsterben

Für die Sendung, die am 15. September im ZDF erstausgestrahlt wird,  fanden Dreharbeiten im Nürnberger Reichswald und vor dem Forstamt in Nürnberg/Laufamholz statt.  Neben Vertretern der BBIWS waren auch Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood dabei. Die BBIWS wies vor allem auf die zu engen Rückegassen im Reichswald und die mannigfaltigen Begleitschäden aktueller Forstwirtschaft wie Bodenverdichtung und ganzjährige Eingriffe ohne Rücksicht auf Brut- und Setzzeiten im Bürgerwald hin.

 

 

Kletteraktivist*innen von ROBIN WOOD spannten ein Banner mit der Aufschrift „Ruhe im Wald! Waldnaturschutz vor Profit!“ über dem Haupttor des Forstbetriebes der bayerischen Staatsforsten in Nürnberg/Laufamholz auf, um gegen die aktuelle Forstpolitik Flagge zu zeigen. Eine vorbereitete Presseerklärung landete vor Ort im Briefkasten, da der Forstbetriebsleiter diese vor der Kamera nicht entgegennehmen wollte. 

 

 

Der Nürnberger Reichswald ist ein Musterbeispiel für das Scheitern der bundesdeutschen Forstwirtschaft. So findet dort Jahr für Jahr zur Brutzeit Holzernte mit schwerem Gerät statt, obwohl der Wald zu weiten Teilen von der EU geschütztes FFH- und EU-Vogelschutzgebiet ist.Die EU-Vogelschutzrichtlinie verbietet das Zerstören bzw. Beschädigen von Nestern sowie gravierende Störungen der Vogelwelt, vor allem zur Brutzeit.

Ein weiterer Naturschutzfrevel sind die Rückegassen, auf denen tonnenschwere Holzerntemaschinen eingesetzt werden, die eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Laut einer Selbstverpflichtung der Forsten darf der Abstand von Gasse zu Gasse 30 m nicht unterschreiten. In der Praxis finden sich aber immer wieder Abstände von nur 20m und weniger, wie das Filmteam dokumentieren konnte. Der Verlust an gesundem Waldboden mit guter Wasserspeicherfähigkeit ist entsprechend gravierend.

 

 

 

 

Dass der Nürnberger Reichswald kein Einzelfall ist, zeigt das Internetportal Waldreport.de, das von der Naturwald Akademie, ROBIN WOOD und der BBIWS gemeinsam initiiert wurde. Auf dieser Plattform können Bürger erstmals mit wenigen einfachen Schritten die Waldschäden vor ihrer Haustür dokumentieren und bundesweit sichtbar machen! Die Bevölkerung ist damit aufgefordert, sich aktiv für "ihren" gesunden und naturnahen Wald einzusetzen, denn die Forstwirtschaft bricht vielerorts immer wieder Naturschutz-Mindeststandards. Die sogenannte „Gute fachliche Praxis“ der Forstbetriebe, die bislang in den Bundes- und Landeswaldgesetzen nicht eindeutig definiert ist, rechtfertigt aber in der aktuellen Fassung nahezu jeden Waldfrevel. Aus diesem Grund initiierte die BBIWS die Online-Petition Unsere Wälder sind keine Holzfabriken– es reicht!!! - Wir Bürger fordern ein neues Bundeswaldgesetz! welche bereits fast 100 000 Unterstützer hat.

 

 

Anders als in der 3. Bundeswaldinventur dargestellt, geht es den Wäldern in Deutschland schlecht, wie der Alternative Waldzustandsbericht hervorhebt und wie es nur zwei Dürrejahre mit dem Waldsterben 2.0 auf drastische Weise bestätigen. Neben dem Klimawandel maßgeblich dazu beigetragen haben die rüden Methoden einer hochtechnisierten und gewinnorientierten Forstwirtschaft, die nichts mit naturnaher  und nachhaltiger Waldbewirtschaftung zu tun haben. 

 

 

Anlässlich des neuen Masterplans der fünf Forstminister – darunter der bayerische – vom 1. August dieses Jahres, warnt neben zahlreichen Experten und Naturschutzorganisationen die BBIWS vor blindem Aktionismus und teuren Förderprogrammen, die den Steuerzahler sinnlos belasten.

Der Patient Wald darf nicht weiter zur Ader gelassen werden, sondern braucht jetzt vor allem Ruhe und Schonung, damit seine Selbstheilungskräfte wieder greifen und Stressfaktoren reduziert werden. 

 

Da die Holzpreise aufgrund der Kalamitäten und hohen Einschläge bundesweit im Keller sind, muss die Forstwirtschaft jetzt dringend einen Einschlagstopp verhängen, aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und den zukünftigen Wald behutsam mit möglichst wenigen Eingriffen behandeln bzw. endlich mehr naturnahe nutzungsfreie Wälder zulassen.

 

 

Deshalb fordert die BBIWS: Wir brauchen eine Waldwende jetzt - wir haben etwas gut zu machen am Wald! Nur mit minimierten Eingriffen werden sich struktur- und artenreiche Wälder mit stabilem Waldinnenklima entwickeln können. Die hochtechnisierte Holzwirtschaft unter Inkaufnahme massiver Schäden am Waldboden und dem gesamten Waldökosystem muss beendet werden. Wir alle müssen umdenken und Holz zukünftig sparsam und vorrangig für langlebige Produkte verwenden! Zum Schutz der Menschen im Klimawandel und für künftige Generationen!

 

 

Die Sendung im ZDF am 15. September 2019, 16.30 Erstausstrahlung und abrufbar  auf https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e

 

planet e. - Das neue Waldsterben

 

Film von Julia Schwenn und Denise Jacobs