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Bayern: Waldbrandgefahr durch Intensiv-Forstwirtschaft im Nürnberger Reichswald

Trockene Kronenabfälle aus Nadelhölzern: Zunder im Brandfall?
Trockene Kronenabfälle aus Nadelhölzern: Zunder im Brandfall?

 

Infolge des Klimawandels nehmen Waldbrände und Wetterextreme besorgniserregend zu. Immer häufiger wird die höchste Gefahrenstufe 5 ausgerufen und Luftbeobachtungen werden durchgeführt. Im Hinblick auf den zunehmenden Dürrestress im Reichswald ist die hochtechnisierte Holzindustrie unverantwortlich. Trotz extremer Wetterlage betreiben die Bayerischen Staatsforsten eine ganzjährige Holzernte ohne Rücksicht auf Witterung und Bodenverhältnisse, wie derzeit wieder im Sebalder Reichswald beim Hinteren Steinberg.

 

Bei einer weiteren großflächigen Durchforstung mit schwersten panzerartigen Fahrzeugen in dichten Abständen wurden die üblichen Rückegassen geschlagen, Boden verdichtet und das Kronendach weitreichend aufgerissen. Die Summe aller Rückgassensysteme und aller Forststraßen, die für schwereTechnik immer breiter werden, wirken sich aber auf das Waldinnenklima negativ aus. Extremwetterlagen wie Hitze- und Trockenperioden werden dadurch viel schlechter abgepuffert. Der Wald wird in Zeiten des Klimawandels zusätzlich geschwächt.

 

Trockene Reisigauflage in den Rückegassen
Trockene Reisigauflage in den Rückegassen

 

Durch die intensiven Eingriffe und Auflichtungen in und entlang der Rückegassen wird das natürliche feuchte Waldinnenklima beseitigt und die Wälder durch steigende Temperaturen trocken und brennbar gemacht. Das auf den Rückegassen aufgetragene konzentrierte Reisig kann bei einem Waldbrand als Katapult für Bodenfeuer dienen und sich zu einem kaum bekämpfbaren Kronenfeuer auswachsen, das sogar große Schneisen überspringt. Die freien langgezogenen Schneisen fungieren als Windkanal und können im Brandfall Glut und Flammen bei einfahrendem Wind noch befeuern. Rückegassenbrände sind extrem schwer zu bekämpfen. Hinzu kommt, dass der verdichtete Boden in den Gassen bei Extrem-Niederschlägen kein Wasser mehr speichern kann und dieses durch raschen Ablauf die Hochwassergefahr erhöht.

 

Dabei hat der Waldboden eine besondere Funktion in Hinblick auf den Feuchtigkeitshaushalt und für unser Trinkwasser. Diese Wasservorräte sind elementar wichtig, um auch nach längerer Trockenzeit Pflanzen, Quellen und Bäche mit Wasser zu versorgen. Den Waldboden auf 20-30 Prozent der Fläche vorsätzlich für Erntezwecke zu schädigen, ist daher eine höchst zweifelhafte Maßnahme.

 

Der alte Benzinkanister wirkt wie eine Mahnung zur aktuellen Waldbrandgefahr
Der alte Benzinkanister wirkt wie eine Mahnung zur aktuellen Waldbrandgefahr

Auch Harvesterbrände durch technische Defekte sind keine Seltenheit, wie etwa 2017 in Fischbach, als in der Folge 200 qm Wald verbrannten.

Wenn man sich diese Gefahren vor Augen hält, die durch die Intensivforstwirtschaft im  Reichswald erst entstehen, fragt man sich, ob Klimawandel und Dürreperioden hier überhaupt ein Thema sind. Die Förderung naturnahen Waldes mit hohem Laubholzanteil und die  Bewirtschaftung mit kleineren Forstmaschinen, Waldarbeitern und Rückepferden wären da schon eher eine Maßnahme zum Erhalt unserer wertvollen Ressource Wald.

 

Claudia Blank

 

Für mehr Informationen zum Thema:

 

https://naturwald-akademie.org/waldbrand

 

https://www.bund.net/aktuelles/detail-aktuelles/news/der-wald-im-zeichen-des-klimawandels