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Aus Hessen: Sabine Hodges berichtet zu den Zerstörungen im Natura 2000 Schutzgebiet

Bei uns in südhessischem Staatswald "Viernheimer und Lampertheimer Wald" wird seit vielen Jahren katastrophal im großen Natura 2000 Schutzgebiet forstgewirtschaftet. Was so viel heißt wie schädlich gewirtschaftet und es werden wertvolle Waldökosysteme zerstört!

 

Der früher attraktive naturnahe Erholungswald wird in unserem Rhein-Neckar-Ballungsraum durch zu viel forstliche Holzeinschlags-Auflichtungen zerstört. Buchen-Eichen-Naturwälder mussten Holzplantagen und Kiefer-Monokulturen weichen. Frühere schöne, attraktive Waldwege aus festem Natursand wurden durch immer mehr hässliche, überbreite Schotterstraßen ersetzt - eine Zerstörung des Erholungswaldes für Wanderer, Reiter und Radfahrer. Alles für die Holzfabrik.

 

Der dort gemäß EU-Richtlinien zu schützende und zu erhaltende FFH (Flora Fauna Habitat) Reliktwald Lampertheim mit deutschlandweit bekanntem Arten-Hotspot wurde mittlerweile durch rücksichtslose, ruppige Forstwirtschaftsmethoden stark verschlechtert. Hessen-Forst wirtschaftet in unserem wertvollen Schutzgebiet genau so radikal wie in jedem anderen Wirtschaftswald. Rücksichtslos werden jedes Jahr wertvollste Brut- und Höhlenbäume von geschützten Fledermäusen, Spechtarten und Urwaldkäfern abgeholzt, vor allem Altbuchen. Und damit die hier nachgewiesenen, streng geschützten Waldarten dezimiert.

Hessen-Forst schädigt sogar wertvolle FFH Buchenwälder durch nachweislich weit höheren Einschlag als dort nachwächst. Durch zu viel forstliche Auflichtung zerstört man dort das für Klima-, Wasser- und Bodenschutz so wichtige Waldinnenklima. Selbst unsere älteste dickste, standfeste Buche wurde dort 2018 gefällt. Sie stand an einem Waldweg des Schutzgebietes, der als Zufahrt für Holztransportfahrzeuge dient. Ausgerechnet hier im FFH Schutzgebiet wird ständig Holz aus ganz Hessen angeliefert, für ein Sägewerk zwischengelagert und abtransportiert, 360 Tage im Jahr... Da störte wohl die über 200 Jahre alte Rotbuche!

 

Keine Buche darf bei uns im Schutzgebiet ihr natürliches Endalter erreichen. Alle werden vorher gefällt und vermarktet.

 

Deshalb fordere ich ein neues Bundeswaldgesetz: www.change.org/wald-statt-holzfabrik!

Bitte die Petition unterschreiben!

 

Unser Staatswald sowie der ebenso von Hessen-Forst bewirtschaftete Stadtwald verkommt immer mehr zum Holzacker. Unser Restbuchenwald ist mittlerweile wegen Forstamts-Waldumbau stark gefährdet. Es gibt hier keine "ordnungsgemäße Forstwirtschaft" und auch keine "gute fachliche Praxis". Wir brauchen endlich unabhängige Qualitätskontrollen. Diese Art der Forstwirtschaft muss ein Ende haben, hoffentlich mit neuem Bundeswaldgesetz!

 

Mehr Infos und Kontakt:

 

http://www.natur-um-huettenfeld.de/html/ffh_reliktwald_lampertheim.html

 

https://www.mannheim-heidelberg.greenpeace.de/presse/hausgemachte-verwuestung-im-viernheimer-lampertheimer-wald

#WissenfürWald - wer nichts weiß, muss alles glauben!

Was ist ein FFH Gebiet?

FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dienen, die in mehreren Anhängen zur FFH-Richtlinie aufgelistet sind. FFH-Gebiete sind ein Teil des Natura-2000-Netzwerkes.

Was ist ein Reliktwald?

Der Viernheimer und Lampertheimer Wald ist nie großflächig abgeholzt oder intensiv bewirtschaftet worden; der Wald hat dort seit mindestens 800 n. Chr. ununterbrochen Bestand. Dadurch konnten sich Arten erhalten, die bereits gegen Ende der Eiszeit dort lebten und heute andernorts ausgestorben sind. Wegen des vereinzelten Vorkommens solcher Refugien für nacheiszeitliche Arten wird von einem Reliktwald gesprochen.