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Aus Rheinland-Pfalz: der SWR berichtet zur Forstwirtschaft im Biosphärenreservat Pfälzerwald

Wir berichten weiter in Sachen Eingriffe in Waldgebiete mit Schutzstatus. Heute aus dem Biosphärenreservat Pfälzerwald. Susanne Ecker, Naturführerin, zeigt mit ihrer Bürgerinitiative in einem SWR Beitrag die Zerstörung eines alten Buchenwaldes

https://swrmediathek.de/player.htm?show=62add700-1a95-11e9-9a07-005056a12b4c

 

Ich bin im Pfälzerwald groß geworden, habe unzählige Stunden im Schatten alter Buchen und Kiefern gespielt und mit meinen Freunden Hütten gebaut. Wir haben im Wald geschlafen und wir haben ihm gelauscht. Keiner kann beschreiben, wie sich ein Wald nachts anhört. Man muss es erleben. Das versuche ich als Naturführerin Kindern und Erwachsenen zu vermitteln, denn nur was man liebt, das schützt man!

Aber dieser Wald hat sich stark verändert. Obwohl er ein besonders geschütztes Biosphärenreservat ist, verschwinden Jahr für Jahr die alten Bäume aus den Wirtschaftswäldern. Tonnenschwere Harvester dürfen Waldböden verdichten und das ganze Jahr über das Waldleben stören. Wenn ich Kindern und Erwachsenen zeigen möchte, warum eine alte Buche von mehr als 140 Jahren unzähligen Tieren, Insekten, Vögeln, Pilzen, Flechten und Moosen ein Zuhause, Nahrung oder eine Kinderstube bietet, dann muss ich sie lange suchen. Ich finde sie selten, viel zu selten.

Unsere Buchenwälder werden noch immer im traditionellen Schirmschlag bewirtschaftet. Das heißt, die ältesten Bäume werden herausgeschlagen, damit Licht auf den Boden kommt und junge Buchen wachsen. Dann wird der Wald immer weiter aufgelichtet und eines Tages ist er verschwunden. Es bleibt nur noch eine ganz junge Waldgeneration übrig, sozusagen Jugendliche ohne Eltern und Großeltern. Es braucht nicht viel um zu verstehen, dass so ein Wald kein "strukturreicher Laubwald", keine Waldfamilie, sondern eine Art Plantage ist, die man angeblich schon seit langem nicht mehr haben möchte, aber kaum etwas dafür tut. Es fehlen die alten Bäume mit ihren dicken Stämmen, den Höhlen, es fehlt morsches Astwerk, Holz für Käfer und ihre Larven und damit ein reich gedeckter Tisch für die Vögel. Es fehlen auch die anderen Lebensalter der Bäume, die irgendwann die gestürzten Buchen in einem lebendigen Waldmosaik ersetzen würden.

 

Dieser von der Forstwirtschaft neu geschaffene Buchenwald bietet viele weitere Jahrzehnte nicht den Lebensraum, den Artenvielfalt im Wald einfach braucht. Und das soll nachhaltig sein? In einem Jahr, in dem alle vom Insektensterben reden? Soll es im Wald genauso werden, wie draußen auf den Feldern, wo schon lange das reiche Insektenleben erloschen ist? Muss auch hier erst alles tot sein, bevor man versucht, in Baumzeitaltern umzudenken?

 Uns wird gesagt, es wachse mehr Holz nach, als entnommen werde. Das sei nachhaltig. Wir sehen das nicht. Diese Wälder werden immer lichter und jünger. Man kann meist durch sie hindurchschauen, wie durch einen Park. Der von der UNESCO geschützte Buchenwald, den es nur bei uns in Mitteleuropa gibt, soll „umgebaut“ werden, obwohl keiner genau weiß, was der Klimawandel fordern wird.

 

Den Kindern sage ich: „Du musst einfach die Natur respektieren. Sie weiß es besser.“ Allen Forstverwaltungen und Politikern würde ich das auch gerne sagen. Sie scheinen es nicht zu wissen. Sie erwirtschaften das Holz um jeden Preis, weil angeblich der Markt es fordert. Und das ist der Verlust unserer alten Buchenwälder. Ich bin mir ganz sicher, selbst wenn wir alle unsere Wälder hier abholzen würden, so wäre damit kein einziger Baum im Regenwald gerettet. Weil Armut, Geld und Gier den Kahlschlag dort vorantreiben. Und das können nur mutige Politiker mit neuen Konzepten verhindern.

Im Waldschutz jedenfalls gibt es große Lücken und wenig Kontrolle. Deshalb fordern wir ein neues Bundeswaldgesetz und die Umsetzung entsprechender Landeswaldgesetze. Wir fordern ein Mitspracherecht im Staatswald, der dem Gemeinwohl dient. Und wir wünschen uns Politiker, die endlich klar sagen, dass der Wald eine so wertvolle Ressource ist, dass wir ihn nicht in Wegwerfprodukten und als Energieholz verschwenden dürfen.

 

Ein gesunder Wald ist nicht mit Geld zu bezahlen. Das werde ich auch in Zukunft den Kindern und Erwachsenen da draußen erklären. Damit sie ihren Wald nicht nur lieben, sondern auch schützen!

Deshalb unsere Petition zur Änderung des Bundeswaldgesetzes change.org/wald-statt-holzfabrik unterschreiben!