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Aus Mecklenburg-Vorpommern: Jörn Heller berichtet von ausgeräumten Wäldern an der Ostsee

Jörn Heller berichtet von den ehemals schönen Tiefland-Buchenwäldern an der Ostsee, die durch Forstmaßnahmen intensiv bewirtschaftet und umgestaltet werden und vom vergangenen heißen Sommer besonders betroffen waren: Der Wald kommt nicht zur Ruhe!

 

In meiner Heimatregion an der Ostsee zwischen Wismar und Rostock haben wir vor allem riesige Landwirtschaftsflächen und dazwischen viele kleinere Wälder. Von Natur aus sind diese hauptsächlich von Buchen- und Eichenbeständen geprägt, wurden aber auch bei uns in der Vergangenheit immer mehr von schnell wachsenden Monokulturen aus Kiefern, Douglasien, Lärchen und Pappeln ersetzt, was die bekannten Anfälligkeiten des Baumbestandes und Auswirkungen auf die Biodiversität mit sich gebracht hat.

 

 

Was vor allem in den letzten 5 Jahren negativ auffällt, sind die immer häufigeren, massiven Eingriffe in den Wald und die immer häufiger auftretenden Wetterextreme. Alles zusammen hat unseren Wäldern an der Ostsee in den letzten Jahren arg zugesetzt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie bei so schwierigen klimatischen Bedingungen dann auch noch so radikal Holz aus unseren Wäldern geschlagen werden darf. Im letzten Sommer ist doch gar nichts gewachsen! Die Bäume haben bei uns im Mai das Wachstum eingestellt und trotzdem kreisen die Harvester wieder durch unseren Wald und machen aus einem dichten Forst mit Unterholz, also Schutz und Rückzugsraum für Tiere, eine gut aufgeräumte Parklandschaft, in der man von einer Seite des Waldes problemfrei die anderen Seite erkennen kann, da dem freien Blick kaum noch etwas im Weg steht!

 

Dazu bekam ich unlängst von einem Jäger die Aussage: "Ja, da muss noch viel mehr ausgedünnt werden, damit die Vögel wieder Raum zum Fliegen haben". Also ich bin mir durchaus bewusst, dass wir in einer Kulturlandschaft leben, die durchaus auch von der Pflege des Menschen profitieren kann. Aber hier drängt sich doch die Frage auf, warum der Vogelbestand dann heute zurück geht und nicht zur Zeit der Germanen, die ja bekanntlich noch keine Harvester hatten, die ganze Wälder in wenigen Tagen abmähen können. Ein anderes Problem ist der Holzeinschlag im Sommer. Ich selbst darf zu Recht in der Brut- und Setzzeit bei mir zu Hause nicht mal die Hecke schneiden und in unseren Wäldern lichtet man ganze Waldstücke im Bereich eines FFH-Vogelschutzgebietes in dieser Zeit aus! Aussage des zuständigen Försters: "Die Holzindustrie braucht halt auch im Sommer Holz und ist dazu gesetzlich berechtigt...".

 

Es gibt aus meiner Sicht nur zwei Stellschrauben mit denen sich die Klimaerwärmung noch abbremsen ließe. Das eine wäre, sofort wesentlich weniger Treibhausgase in die Atmosphäre zu bringen oder zum anderen für mehr und möglichst gesunden Wald zu sorgen. Im Moment erzeugen wir aber noch jedes Jahr mehr Abgase und zumindest in meiner Region verlieren wir in den Wäldern, aber auch in den Städten und an den Straßen (Alleen) unglaublich viel wertvollen Baumbestand - also CO2-Speicher. Wenn wir es wirklich jetzt angehen würden, Treibhausgase deutlich zu verringern und dem Wald mehr Ruhe und Fläche zu geben, hätten wir vielleicht noch die Chance das Schlimmste zu verhindern! So wie es derzeit läuft, wird das aber mit Sicherheit nichts!

 

Kontakt für Waldschutzinteressierte an der Ostsee:

 

joern.heller(at)t-online.de