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Aus Bayern: Volksbegehren Artenvielfalt fordert deutlich mehr Schutz für die Wälder!

 

Liebe Wald- und Wiesenfreunde!

 

Was für ein Zuspruch zum Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern! Rund 1,7 Millionen Bürger haben für ein “Aufblühen” der Landschaften zugunsten der Insekten mit ihren pelzigen Maskottchen gestimmt - damit beteiligten sich so viele Menschen wie noch nie an der Abstimmung zu einem Volksbegehren!

 

Aber Insektenvielfalt geht viel weiter - nicht nur das Summen auf der Wiese, sondern auch das Brummen und Krabbeln im Wald ist ein oft vergessener Schwerpunkt im Kampf um den Erhalt der heimischen Wildbienen, Waldschmetterlinge, Käfer, Ameisen und unzähliger anderer, oft noch unentdeckter und unerforschter Arten. In einer Handvoll Walderde können mehr Bodenorganismen stecken, als es Menschen auf der Erde gibt!

 

In den Forderungen des bayerischen Volksbegehrens "Artenschutz - Rettet die Bienen!" heißt es:

 

“Außerdem muss der bayerische Staat als Vorbild vorangehen. Deshalb fordern wir, dass alle staatlichen Agrar- und Forstflächen umgestellt werden, auf eine ökologische Bewirtschaftung und nachhaltige Nutzung.”

 

Im Gesetzestext soll es heißen:

 

“Die Forstwirtschaft hat die Vorschriften des Waldgesetzes für Bayern und die sonstigen für sie geltenden Regelungen zu beachten, wobei im Staatswald das vorrangige Ziel zu verfolgen ist, die biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten oder zu erreichen.”

 

Die aktuelle Bewirtschaftung ist alles andere als nachhaltig, da sie seit der Forstreform 2004 vorrangig auf mengenorientierte Holzerzeugung und industrielle Ernte ausgerichtet ist, die u.a. hohe Entnahmen, Zerstückelung der Wälder durch Rückegassen und schwere Bodenschäden in Kauf nimmt - die Ökologie eines naturnahen Waldes spielt dabei entgegen aller forstlichen Behauptungen kaum ein Rolle. Damit werden die wichtigen Lebensräume der Waldbewohner zerstört, verinselt und selbst in Naturschutzgebieten durch das Fällen alter Bäume massiv geschädigt.

 

Der Mensch kann den Wald nicht im ökologischen Sinne “pflegen”, er kann lediglich über die Art und Intensität seiner mehr oder minder schlimmen Eingriffe entscheiden. Besonders wichtig für die Waldbewohner ist außerdem, wie alt ihr Wald ist - je älter, desto mehr Insekten und andere Lebewesen!

 

Foto: Cl. Blank
Foto: Cl. Blank

 

Ohne Waldinsekten und Bodenlebewesen bricht das Ökosystem Wald mit seinen Nahrungsketten für Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere zusammen. Blühende Kräuter, Sträucher, Himbeeren und Brombeeren, aber auch Baumarten wie Ahorn, Kirsche, Weide, Linde und Vogelbeere werden nicht mehr bestäubt. Das Nahrungsangebot schwindet in besorgniserregender Geschwindigkeit und viele Arten in der Nahrungskette sterben oft unbemerkt und heimlich aus.

 

Die Artenvielfalt eines Waldes hängt in erster Linie davon ab, wie strukturreich er ist, wie viele ökologische Nischen er seinen Lebewesen bietet. Je weniger man den Wald stört, desto besser kann er seine jahrtausendealten Beziehungsgeflechte von Tieren und Pflanzen aufrecht erhalten und weiterentwickeln.

 

Alte, heimische Buchenlaubwälder sind als Ökosysteme nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern bisher nur unzureichend geschützt! Die Bundesregierung hat im November 2007 ein „Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt“ veröffentlicht, die sich kritisch mit der Situation der deutschen Wälder beschäftigt. Darin bemängelt sie zusammenfassend die massive Veränderung der Artzusammensetzung und der Bestandstruktur der Wälder, das Vorherrschen standortsfremder Baumarten und das völlige Fehlen alter, ökologisch wertvoller Wälder.

 

Wir fordern deshalb entsprechende gesetzliche Schutzmaßnahmen in allen Bundesländern! Nur eine Neufassung des Bundeswaldgesetzes und der Landeswaldgesetze kann dem Artensterben im Wald ein Ende setzen. Handeln wir jetzt, bevor der Wald genauso ausgeräumt ist, wie die Agrarflächen der nichtökologischen Landwirtschaft.

 

Handeln wir vorher - nicht nachher!

 

 

In 0,3 Kubikmeter Waldboden tummeln sich:

 

2,5 Billionen Mikroorganismen: Bakterien, Pilze, Algen

1 Millionen Fadenwürmer

100.000 Milben

50.000 Springschwänze

25.000 Rädertiere

10.000 Borstenwürmer

100 Käferlarven

100 Zweiflüglerlarven

80 Regenwürmer

50 Schnecken

50 Spinnen

50 Asseln

 

Quelle: www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/4390-rtkl-erdreich-es-wimmelt-im-bodengeolino

 

Weitere Informationen:

 

https://naturwald-akademie.org/waldwissen/waldtiere-und-pflanzen/bedeutung-von-insekten-im-wald