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Bayern: Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) unter Druck schimpft auf die BBIWS!

Unter der Überschrift "Selbsternannte Experten" erschien im BOTEN (Bayern) ein Artikel der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nürnberger Land

deren Vorsitzender Richard Sperber auf der Jahresversammlung die BBIWS scharf kritisierte.

Wir seien von „selbsternannten Experten“ gegründet worden, die mit einseitigen Argumenten gegen Waldbesitzer und Forstwirtschaft Stimmung machten.  Er hingegen plädierte neben "modernen Maschinen  und technischen Fortschritt" für eine nachhaltige und uneingeschränkte Waldbewirtschaftung, denn "es müsse auch Geld verdient werden". Es sei ein Gebot, der Gesellschaft die Akzeptanz der Bewirtschaftung zu vermitteln. Das Unternehmen plane wie im Vorjahr mit Gewinnen und für das neue Wirtschaftsjahr die Vermarktung von 38.000 Festmetern Holz. Laut FBG sei neben dem Waldumbau eine "nachhaltige und multifunktionale Waldbewirtschaftung die kosteneffektivste Klimaschutzmaßnahme".

 

Unsere BBIWS Stelllungnahme zu dieser Unterstellung:

 

Als Bundesbürgerinitiative Waldschutz mit Mitgliedern aus 14 Bundesländern, namhaften Experten, Fachleuten und Förstern im Ruhestand, die sich gegen eine besorgniserregende hochtechnisierte Holzindustrie in den öffentlichen Wäldern zusammengeschlossen haben, stellen wir nachfolgende Fragen:

 

Warum müssen wir Bürger und Bürgerinnen als ehrenamtliche Waldschützer überhaupt im Wald aktiv werden? Haben wir nicht eine eindeutige Gesetzeslage, die Gemeinwohl vor wirtschaftliche Interessen im Wald festlegt, die ein Verbot der Waldbodenschädigung- und zerstörung und besondere Schutzmaßnahmen in Bannwäldern, Natur- und Vogelschutzgebieten etc. fordert?

 

Heißt es nicht ausdrücklich im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1990, dass die Forstpolitik der Bundesregierung weniger auf Wirtschaftsinteressen, sondern vor allem auf die Erhaltung des Waldes als ökologischen Ausgleichsraums für Klima, Luft und Wasser, für die Tier- und Pflanzenwelt, sowie die Erholung der Bevölkerung ausgerichtet sein soll?

 

 

Mit welchem Recht plädiert die FBG für eine uneingeschränkte Waldbewirtschaftung? Heißt dies nicht im Klartext, dass unseren Bürgerwäldern das ganze Jahr über mit hochtechnisierten Schwermaschinen zugesetzt werden kann? Kann es sich der Forstbetrieb deshalb nicht leisten, die Brut- und Setzzeiten auszulassen, den Harvester bei ungeeignete Witterung stehen zu lassen und in Naherholungs- und Naturschutzgebieten mit dem Rückepferd zu arbeiten? Oder müssen sich die teuren Maschinen nicht eher rentieren und im Akkord arbeiten und Verträge erfüllt werden?

 

Warum muss ein Staatlicher Forstbetrieb mit dem Wald überhaupt Geld verdienen – genügt nicht die schwarze Null? Muss der Harvester selbst in Brutzeiten in Naturschutzgebiete einfahren, müssen empfindliche Waldböden, Wege und Wegränder von Maschinen aufgerissen und zerstört werden? Sind es wirklich nur die Käferbäume, die umgehend entfernt werden müssten oder nicht eher alle Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen die einen stattlichen Durchmesser haben?

 

Sind die extrem hohen Holzeinschläge, der Gifteinsatz und der Umbau der Wälder zu menschengemachten Forsten in Zeiten des Klimawandels, des Insektensterbens, des bedrohlichen Rückgangs der Artenvielfalt und der Reinhaltung von Wasser und Luft eine gute Entscheidung? Wo wird dieses Thema mit Wissenschaftlern wirklich offen und ehrlich diskutiert und die Orientierung am monetären Gewinn in Frage gestellt?

 

Sind beim Klimaschutz wirklich die modernen Maschinen und die (angeblich) kosteneffektivsten Maßnahmen auch die besten oder wird hier nicht ein Übel (Klimaveränderung) durch ein anderes, noch schlimmeres bekämpft und dem Wald – vor allen den Waldböden – gerade dadurch massiver Schaden zugefügt mit der Folge von Windwurf, Sonnenbrand, Käferbefall, Rückgang der Vögel und Artenvielfalt, Waldbrandgefahr usw.?

 

Haben wir nicht Umweltministerien, Fachverbände und NGOs? Warum unterliegen Forstmaßnahmen keinen externen Kontrollen? Warum sitzen im Aufsichtsrat der Bayerischen Staatsforsten nur Vertreter des Freistaats Bayern, der Wirtschaft und des Forstwesens unter dem Vorsitz einer Staatsministerin, die angetrieben von Holz und Cluster „Da geht noch mehr!“ in den Wald ruft, anstatt zur Maßhaltung im Umgang mit einer längst nicht mehr nachhaltigen Ressource zu ermahnen?

 

Es gibt leider offenbar nur einen Weg, diesen fatalen Entwicklungen in unseren öffentlichen Wäldern etwas entgegenzusetzen: Wir Bürger müssen es selbst tun!