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Wir brauchen eine Waldwende jetzt – Wir haben etwas gut zu machen!

Liebe Unterstützer/Innen, die industrielle Forstwirtschaft bekämpft die Geister, die sie rief mit Gift - nun sterben dort  fast alle Insekten im Wald und viele Waldvögel verhungern.

 

Wir brauchen eine Waldwende jetzt – Wir haben etwas gut zu machen! mahnt Volker Ziesling, Diplom-Forstwirt und kritischer Forstmann, der ein Umdenken in der Waldbewirtschaftung einfordert. Der grüne Waldexperte ist fest davon überzeugt, dass es eine grundlegende Waldwende braucht, spätestens jetzt wo sich der Klimawandel bemerkbar macht.  Neben seinem beruflichen Engagement setzt er sich bei Greenpeace, Regionalgruppe Mannheim-Heidelberg, den Grünen und  innerhalb der BBIWS für eine Neuorientierung im Umgang mit dem Wald ein.

 

Volker Ziesling: Wir können die Diskussion um den Wald nicht von der Diskussion um den Klimawandel und dessen Folgen trennen. Der mitteleuropäische Wald ist nach dem erneuten Jahrhundertsommer 2018 in seiner Vitalität existenziell geschädigt. Im Jahr 2018 hatten wir in Europa einen Schadholzanfall durch Folgekalamitäten, Waldbrände, Stürme, Schneebruch, und von 120 Millionen Festmeter Holz.

Die Lehrbuchmeinung, dass der Wald eine CO 2- Senke ist, stimmt so nur noch bedingt. Das Gegenteil kann der Fall werden: Wald wird zur CO 2- Quelle, wenn die Photosyntheseleistung geringer ist als die Zellatmung.

 

Wälder binden große Mengen an Kohlenstoff und sind nach den Ozeanen die wichtigste Einflussgröße des globalen Klimas. Bei einer Waldrodung werden unsere wertvollen Kohlenstoff - Speicher eliminiert und gigantische Mengen an Kohlenstoff freigesetzt.

 

Die Kohlenstoffbindung in einem intakten älteren Wald ist deutlich höher als in den Jungwäldern.

Ein Waldbau, der dazu führt, dass durch intensive Eingriffe immer mehr Licht den Waldboden erreicht, verändert das Waldinnenklima und fördert die Mobilisierungsprozesse des im Boden gebundenen Kohlenstoffs.

Diese Prozesse werden in gleichem Maße durch Katastrophennutzungen wie auch durch eine Intensivforstwirtschaft in Gang gesetzt.

 

Forstwirtschaft wird damit zur CO2- Schleuder, nicht zur CO2- Senke, wie einer Öffentlichkeit glaubhaft gemacht wird.

Neben den klimainduzierten Stressfaktoren wirken weitere Einflüsse, wie ein unangemessenes Forstmanagement und Stoffeinträge auf unsere Waldökosysteme ein. Der Wald kämpft mit einem völlig veränderten Wasserregime, mit Sekundärschädlingen, Nährstoffverlusten durch Holzerntemaßnahmen, Stickstoffanreicherungen in den Waldböden sowie Veränderungen des Bodenzustandes durch die Befahrung der Waldstandorte. All diese Stressfaktoren führen zu einer Verschlechterung der Vitalität und Widerstandskraft und einer höheren Verletzlichkeit – Vulnerabilität- des Gesamtsystems.

 

Daher meine ich:

Wir dürfen den Wald nicht länger als Wirtschaftsbetrieb betrachten, sondern müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass wir die letzten naturnahen Ökosysteme an den Rand ihrer Überlebens-fähigkeit gebracht haben. Ein „weiter so“ wird zu einem baldigen Exitus unserer Waldökosysteme führen und deshalb brauchen wir eine Waldwende jetzt - wir haben etwas gut zu machen!

 

Weitere Infos unter:

 

Alternativer Waldzustandsbericht "Dem Wald in Deutschland geht es schlecht": https://naturwald-akademie.org/presse/pressemitteilungen/alternativer-waldzustandsbericht

 

Sendung PATIENT WALD - um unsere Wälder ist es schlecht bestellt: https://www.3sat.de/page/?source=/scobel/190683/index.html