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Erfolg für den Nationalpark Bayerischer Wald! Naturzonenerweiterung beschlossen!

Angrenzend an die bisherige Naturzone soll der fichtenreiche, aber auch tannen- und buchenhaltige Wald in der Brechhäuslau zwischen den Urwaldgebieten Hans-Watzlik-Hain und Mittelsteighütte in die Naturzone eingegliedert werden.
Angrenzend an die bisherige Naturzone soll der fichtenreiche, aber auch tannen- und buchenhaltige Wald in der Brechhäuslau zwischen den Urwaldgebieten Hans-Watzlik-Hain und Mittelsteighütte in die Naturzone eingegliedert werden.

Zwei Schritte in Richtung Natur! – Der kommunale Nationalparkausschuss hat am 22. Oktober in Frauenau trotz sehr kontroverser Positionen seiner Mitglieder den Vorschlag der Nationalparkverwaltung für eine außerordentliche Naturzonenerweiterung um ca. 870 Hektar (8,7 km²) einstimmig angenommen.

 

Wir Bürger danken für die zukunftsweisende Entscheidung und freuen uns mit allen Beteiligten über die neuen Chancen der Waldentwicklung im Bayerischen Wald!

 

Der kommunale Nationalparkausschuss hat heute, 22. Oktober 2019 in Frauenau trotz sehr kontroverser Positionen seiner Mitglieder den Vorschlag der Nationalparkverwaltung für eine außerordentliche Naturzonenerweiterung um ca. 870 Hektar (8,7 km²) einstimmig angenommen.

 

Damit wird ein Großteil des Falkenstein sowie die um die Urwaldreste Mittelsteighütte und Hans-Watzlik-Hain noch bestehenden Entwicklungszonen in den Tallagen in die Naturzone eingegliedert und von jeglicher Borkenkäferbekämpfung befreit.

 

Mit dem von Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl präsentierten Vorschlag hatten Nationalpark und Bayerisches Umweltministerium auf die zunehmende Entwaldung und die großen ökologischen Schäden durch die Borkenkäferbekämpfung sowie die dadurch ausgelöste Kritik reagiert.

 

Die fachlich wohl sinnvollste Lösung, eine sofortige vollständige Eingliederung aller aktuell noch existierenden Entwicklungszonen in die Naturzone, wird offenbar durch die bestehende Nationalparkverordnung verhindert und wäre trotz Unterstützung durch zwei Bürgermeister nicht konsensfähig gewesen.

 

Die noch verbleibenden 780 Hektar Entwicklungszone 2c soll ab 2022 (bis spätestens 2027) in die Naturzone eingegliedert werden, die bestehenden 328 Hektar Entwicklungszone 2a (Fichtenhochlagenwälder) bleiben zunächst unverändert.

 

Um ökologische Schäden in den Entwicklungszonen möglichst gering zu halten, schlägt Dr. Leibl vor, die dort weiterhin vorgeschriebene Borkenkäferbekämpfung auf nennenswerten Teilflächen deutlich naturschonender als bisher zu organisieren:

 

In den ausgedehnten naturnahen Lebensraumtypen (zB. natürliche Aufichtenwälder) soll bis zu deren Eingliederung in die Naturzone zukünftig ohne Maschineneinsatz nur noch motormanuell mit Forstwirten gearbeitet und die gefällten Bäume an Ort und Stelle im Wald belassen werden.

 

Unmittelbar um Zwieslerwaldhaus soll eine Erholungszone eingerichtet werden.

 

 

 

Persönliche Wertung von Peter Langhammer, Dipl. Forstwirt univ. - WaldWerkstat:

 

Die Eingliederung großer Flächen in die Naturzone und die Erholungszone um Zwieslerwaldhaus ist uneingeschränkt zu begrüßen. Die neue Naturzone darf sich fortan vollständig natürlich entwickeln.

 

Wird die vorgeschlagene motormanuelle Borkenkäferbekämpfung ohne Holznutzung in den naturnahen Lebensraumtypen konsequent umgesetzt, bedeutet dies dort eine Vermeidung jeglicher Bodenschäden sowie den Verbleib des Totholzes im Wald als Schutz für die nachwachsenden Bäume und Grundlage für eine sehr naturnahe Waldentwicklung. Dies stellt eine erhebliche ökologische Verbesserung gegenüber der bisherigen Praxis dar und relativiert die noch unvollständige Naturzonenausweisung.

 

Weil die konsequente Umsetzung der motormanuellen Borkenkäferbekämpfung große Anstrengungen seitens der Nationalparkverwaltung erfordern wird, sollten Bevölkerung, Gäste, Naturschutzverbände und Fachleute die Umsetzung konstruktiv und kontinuierlich begleiten.

 

Angesichts der komplizierten rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen sehe ich die heutige Entscheidung durchaus als nennenswerten Erfolg für die Wälder, die Artenvielfalt und – nicht zuletzt! – die Menschen im Nationalparkerweiterungsgebiet, auch wenn ich zum 50. Geburtstag des Nationalparks Bayerischer Wald einen noch mutigeren Schritt erhofft (aber einen zaghafteren Kompromiss befürchtet) hatte.

 

Ich danke herzlich allen Unterstützern, die sich engagiert und sachlich in den Entscheidungsprozess einzubringen versucht haben, aber auch der Nationalparkverwaltung, dem Umweltministerium und den Mitgliedern des kommunalen Ausschusses.