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Trotz Waldsterben - der Ausverkauf der Wälder geht weiter! Teil 2 – Bayern

Alte Laub- und Mischwälder sind die besten Verbündeten im Kampf gegen Klimawandel und Artensterben. Alte Bäume speichern entgegen anderslautender  "Gutachten" mehr CO2 als  junge und sind durch ihre riesigen Kronen wahre Meister im Wasserverdunsten, Kühlen und Luftreinigen. Dennoch erreichen uns immer mehr Hilferufe und Beobachtungen besorgter BürgerInnen aus ganz Deutschland, die eine Plünderung  vorrangig alter Laubbäume  in den ohnehin bereits stark ausgeräumten Wäldern - Eichen, Buchen und Eschen - wahrnehmen.

 

 

Ausplünderung der Buchenwälder im Staatswald des bayerischen Spessart

 

Auch in diesem Winter 2019/2020 machen Bürger hier wieder die Beobachtung, dass gerade die Buchenwälder  trotz des Klimastresses in den vergangenen Jahren weiterhin stark aufgelichtet werden. Es verfestigt  sich der Eindruck, dass dadurch Mindereinnahmen infolge des Preisverfalls bei Nadelholz kompensiert werden sollen.

 

Holzlagerplatz Miesberg, Foto Copyright M. Kunkel
Holzlagerplatz Miesberg, Foto Copyright M. Kunkel

 

Dort, wo die Wälder der Trockenheit noch widerstehen, leiden die rigoros freigestellten Buchen zunehmend unter Sonnenbrand und sterben aus diesem Grunde ab. Dies ist nicht nur an Waldrändern, sondern auch im Bestandsinnern immer häufiger der Fall.

 

Die Buchenbestände werden in einem deutlich jüngeren Alter als früher (schon ab ca. 80 Jahren)  in Verjüngungsnutzung gestellt. Häufig dienen die Auflichtungen nicht nur der reinen Ausbeute, sondern auch dazu, den natürlichen Anflug von Nadelholz zu begünstigen. Ab einem Alter von 140 Jahren wurde in die Buchenbestände bereits so massiv eingegriffen, dass sie oft nur noch als Torso eines Waldes bezeichnet werden können. Sie verdienen den Namen "Buchenwald" oder "Laubwald" nicht mehr.

Abt. Eichbuch. Foto Copyright M. Kunkel
Abt. Eichbuch. Foto Copyright M. Kunkel

 

Um die Öffentlichkeit nicht zu schockieren, erfolgen die Eingriffe neuerdings etwas vorsichtiger, werden dafür aber in einem kürzeren Turnus (oft schon nach drei Jahren) wieder in den betroffenen Waldabteilungen durchgeführt. Damit ändert sich an der frühzeitigen und schleichenden Auflösung unserer ökologisch wertvollsten Buchenwälder rein gar nichts.

 

Die beigefügten Bilder  zeigen beispielhaft die beschriebenen Verhältnisse. Vor allem das Foto ins Kronendach eines Buchenbestandes verdeutlicht, dass wir es vielfach nur noch mit einer lockeren Ansammlung von Bäumen zu tun haben, aber nicht mehr mit einem Wald, der natürlicherweise ein kühl-feuchtes Waldinnenklima aufweist und dadurch Trockenstress leichter überstehen kann. Ganz im Gegenteil werden die ausgetrockneten Waldböden durch den gesteigerten Sonneneinfall noch weiter ausgetrocknet, was zum allgemeinen Waldsterben durch Wassermangel in heißen Sommern beiträgt.

 

Abt. Eichbuch. Foto Copyright M. Kunkel
Abt. Eichbuch. Foto Copyright M. Kunkel

 

Seit Jahrtausenden entwickeln und verjüngen sich Bäume in der Waldgemeinschaft. Deshalb ist beispielsweise die Buche ein Schattenbaum, der in seiner Jugendphase anfangs ganz wenig Licht braucht und von den Altbäumen mitversorgt wird. Später beschattet der Baumverbund die empfindlichen Stämme. Mit der praktizierten Form der Waldbewirtschaftung  (Buchenschirmschlag) aber wird jeder Baum zum Einzelkämpfer gemacht und erleidet durch die Freistellung  häufig Sonnenbrand, der  an der sich ablösenden Rinde auf der besonnten Seite gut zu erkennen ist. Der Baum stirbt.

 

In Zeiten der Erderwärmung und des Klimawandels sollte man in der Forstwirtschaft auf diese "Sterbehilfe" wohl besser verzichten.

 

Abt. Grenzrain, Foto Copyright M. Kunkel
Abt. Grenzrain, Foto Copyright M. Kunkel

 

https://waldreport.de

Tragen Sie hier als Bürger Ihre Beobachtungen in Ihrem Wald ein!

Der Online-Radar gegen Waldzerstörung, liefert wertvolle Informationen zu den Wäldern vor unserer Tür und erfasst die Waldschäden bundesweit. Hier können wir BürgerInnen ohne großen Aufwand (nur Anmeldung auf dem Portal) die beobachteten Waldschäden kartieren, beschreiben und Fotos einstellen. Das dient nicht zuletzt der Vernetzung der Waldschutzinitiativen und informiert über den bundesweiten Zustand der Wälder!