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Trotz Waldsterben - der Ausverkauf der Wälder geht weiter! Teil 5 – Saarland

 

Während man sich im Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik (Berater des BMEL) weiterhin auf die Kritik an Peter Wohlleben konzentriert (taz Interview mit Prof. Dr. Jürgen Bauhus), gehen die massiven Ernteeingriffe in die Staatswälder ungebremst weiter. Ganz offensichtlich ist die Imagepflege und der eher dürftige wirtschaftliche Beitrag des Holzes am Bruttosozialprodukt (1)  - Arbeitsplätze im Wald wurden ja im großen Stil abgebaut -  weitaus wichtiger, als die Schutzfunktion des naturnahen Waldes in Klimawandel und Artensterben. Das Märchen von der Nachhaltigkeit „es wächst mehr nach als wir entnehmen“ wird weiter erzählt. Der ungebremste Einschlag der Altbäume hat damit rein gar nichts zu tun – offensichtlich hofft man auf den „NAIVEN BÜRGER“.  Ob flächendeckend durch die hohe Düngung  durch den Stickstoff in der Luft Holz schneller nachwächst, rechtfertig mitnichten die flächendeckende Ernte aller älteren Bäume. Oder sollten wir in den Schulen erzählen, dass Artenvielfalt, Sauerstofferzeugung und Höhlenbildung sich auf jungen Setzlingen abspielt? Heute ein Bericht aus dem Mecherswald im Saarland!

 

 

Wir sind die Bürgerinitiative „Wir für den Wald“.

Wir geben UNSEREM Wald eine Stimme – egal wo der Wald sich befindet.

 

Wir lieben unsere schönen Buchen und Eichen. In unserem Mecherswald, ein Mischwald aus Buchen und Eichen, der um 1900 von den Urvätern unseres Ortes angepflanzt wurde, fand im letzten Frühjahr eine große Ernteaktion statt. Als wir danach unseren Wald betraten, waren wir entsetzt. Das war der Stein des Anstoßes UNSEREM Wald eine Stimme zu geben. Wir setzen uns für eine naturnahe Forstwirtschaft ohne Einsatz schwerer Erntemaschinen in unseren Wäldern ein.

 

 Wir beobachten schon länger mit wachsender Besorgnis, dass schwere Maschinen, die bei der Ernte eingesetzt werden, schwere Schäden in unserem Wald hinterlassen. Der Waldboden ist nachhaltig verdichtet und somit unfruchtbar. Gesunde nicht zu fällende Bäume werden an Wurzeln und Rinde beschädigt. Ebenso sehen wir, dass offensichtlich die wirtschaftliche Nutzung unseres Waldes im Vordergrund steht.

 

 

Die Kronendecke ist nun ausgelichtet. Es fällt viel Sonnenlicht auf den Waldboden, was ihn austrocknet und die vielen kleinen Eichensetzlinge absterben lässt. Außerdem fehlt den Buchen nun der Partner im Kronenverbund und sie bekommen ebenfalls zu viel Sonnenlicht, so dass Sonnenbrand auf den Stämmen entsteht. Wir bezweifeln, dass der Wald seiner Sturmschutzfunktion durch einen vielfältigen Strukturaufbau, der Windgeschwindigkeiten bremst, weiterhin nachkommt. Die dicken Bäume wurden gefällt. Die vielen Biotopbäume dieses Mischwaldes sind die Heimat vieler Spechte. Sogar den seltenen Schwarzspecht haben wir mehrfach dort gesichtet. Außerdem werden im Sommer dort viele Fledermäuse gesehen. Wir befürchten, dass diese Arten nach der Ernteaktion weniger werden bzw. sich gar nicht mehr ansiedeln können.

 

Bei einer Begehung vor Ort mit 50 besorgten Bürgern, einem Vertreter des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (Saarland) und dem Revierförster im August 2019 haben wir erfahren, dass unser Eindruck stimmt und es in unserem Wald nicht so aussehen darf und soll. (2)

 

 

 

 

 

Der Revierförster begründete die Schäden damit, dass Termindruck und schlechte Witterungsverhältnisse bei der Ernte in Verbindung mit schweren Maschinen die Schäden hinterlassen haben. Es blutet uns das Herz mit anzusehen, dass ein dreiviertel Jahr später die Stämme immer noch am Waldrand liegen.  Sie wurden von den Bestellern offenbar nicht abgeholt. Das ist der "Zeitdruck".

 

Wir haben erfahren, dass unsere schönen Buchen und Eichen in den Export gehen. Diejenigen unter uns Winterbacher Bürgern, die Nachkommen der Urväter von einst sind, die den Mecherswald angepflanzt haben, sind zutiefst traurig über diese Entwicklung.

 

Es geht daher folgende Petition an den St. Wendeler Stadtrat: https://www.openpetition.de/petition/online/buergerinitiative-wir-fuer-den-wald  

Bitte unterstützen Sie unsere Forderung mit Ihrer Unterschrift! Wir danken für Ihren Einsatz für unseren Wald!

 

 

(1)Die Anteile des Forst- und Holzsektors an der gesamten Volkswirtschaft liegen zwischen 2,1 Prozent bei Bruttowertschöpfung. Quelle Waldbericht 2017 der Bundesregierung, S. 82.

(2) Siehe Zeitungsbericht Saarbrücker Zeitung.

 

 

Weitere Informationen zur Kritik an forstwirtschaftlichem Vorgehen in den Wäldern:

Download
Die 10 Sünden försterlicher Waldbehandlung (Fähser 2019)
Die 10 Sünden försterlicher Waldbehandlu
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https://waldreport.de

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