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Trotz Waldsterben- der Ausverkauf der Wälder geht weiter! Teil 6 - Hessen

Auf vielen forstwirtschaftlich organisierten Veranstaltungen zu Klimawandel und Waldsterben zeigt sich, dass hier der (kurzfristige) Profit vorrangig gegenüber Ökologie und Biodiversität beurteilt wird. Waldschützer kennen zur Genüge das Argument, "Forstwirtschaft bedeutet Artenvielfalt". Ausgeräumte Wälder können diese Idealvorstellung aber nicht im geringsten erfüllen, selbst wenn dort vermehrt Offenlandarten aufgrund der Auflichtung vorkommen und gerade im Gegenteil zeigen, dass der Wald hier seine Ursprungsfunktionen nicht mehr erfüllen kann. WALD ist nun einmal keine Freilandfläche, sondern  verlangt Schatten, Freuchtigkeit und Kühlung, worauf seit Jahrtausenden die Tier- und Pflanzenwelt in einem großartig verflochtenen System eingespielt ist.  Hoffentlich auch deshalb wenden sich jetzt Kommunen von der Bewirtschaftung durch die Landesgesellschaft (hier HessenForst) ab und verwalten selbst ihre Wälder, wie aktuell Hofheim in Hessen.

 

"Er sehe in dieser Veränderung ausschließlich Vorteile, sagte Stadtrat Bernhard Köppler (SPD), der als Dezernent für den Hofheimer Wald zuständig ist, der FR. „Wir können jetzt die Schwerpunkte so setzen, wie wir sie für richtig halten, und haben mehr Spielraum bei kommunalpolitischen Entscheidungen... Wir wollen Qualität auf allen Ebenen erreichen“ und "ausführlicher als bisher wolle er als Dezernent mit den Menschen, die den Wald nutzen, in Kontakt treten, verspricht Köppler."

 

Ausführlich hier: Hofheim ist Herr im eigenen Wald

 

Ganz anders Regionen, in denen HessenForst uneingeschränkt Entscheidungen trifft und umsetzt, selbst wenn sie eklatant gegen Schutzinteressen von ausgewiesenen FFH und Natura 2000 Gebieten verstoßen. Hier der  Bericht einer seit Jahren hochaktiven Bürgerin!

 

Foto Jan 2020: Westlicher FFH Reliktwald Lampertheim mit Kiefernaufforstung
Foto Jan 2020: Westlicher FFH Reliktwald Lampertheim mit Kiefernaufforstung

 

 


Hessen-Forst Lampertheim setzt leider weiter auf negativen Waldumbau. Es fördert so Versteppung und Klimaaufheizung unserer Region!

von Sabine Hodges

 

 

Eigentlich wäre ein Einschlagstopp im Natura 2000 Gebiet mehr als sinnvoll. Aber statt unsere letzten intakten Buchenwälder mit Eichen vor Holzübernutzung zu verschonen, sieht das Forstamt das Heil in weiterer schädlicher forstlicher Auflichtung und noch schädlicherem "Waldumbau".

 

 

Das Forstamt Lampertheim setzt auf Umbau von Buchenmischwald auf Kiefernwald. Schlimmer geht's nimmer!

 

 

Gemäß Forsteinrichtung 2012 gab auf Waldfläche des FFH Reliktwald Lampertheim 36% Eiche und 14% Buche. Hessen-Forst Verjüngungsplan für FFH Reliktwald: 18% Anteil Douglasie (8,5 ha Voranbau), 21% Anteil Rotbuche (12ha Naturverjüngung), 6% Anteil Hainbuche (1,1 ha) und 48% Anteil Kiefer (19,2 ha).
Dieser Verjüngungsplan widerspricht klar den FFH Erhaltungszielen bei 2004er FFH Gebietsausweisung, die vor allem Buchenförderung samt Nadelholzreduzierung festlegte.
Seit 2004 stattdessen FFH Buchenraubbau und noch mehr Pflanzungen mit Kiefern-, Douglasien- und Eichen-Kulturen. Forstliche Förderung also von Lichtbaumarten, Neophyten und  Versteppung.

 

 

Kiefern verschlechtern ganz massiv den Boden, Artenvielfalt, Wasserhaushalt und sind wohl als Kurzumtriebsplantagen angedacht. Denn in unserer Region sind über 70% Kiefern bereits durch Diplodia-Pilz und massivem Mistelbefall krank, haben 0 Zukunft..

 

 

Wie kann man da noch mehr Kiefern pflanzen wollen?

 

 

Was unser Forstamt Lampertheim sogar gnadenlos im FFH Schutzgebiet "Reliktwald Lampertheim" praktiziert. Selbst dort wird mehr Buchenwald geplündert und zerstört als an Laubbäumen nachwächst.
Hessen-Forst Lampertheim erntet im FFH Schutzgebiet (!) mehr als 150% Buchenholz vom Zuwachs! Das ist alles andere als nachhaltig. Erntet dabei auch rücksichtslos ganz wertvolle Biotop-Höhlenbäume von Fledermäusen, Spechten und streng geschützten Arten.

 

 

Foto Jan 2020: Westlicher FFH Reliktwald Lampertheim, Gefällte Biotopbuche mit Großhöhle vor Kiefernkultur
Foto Jan 2020: Westlicher FFH Reliktwald Lampertheim, Gefällte Biotopbuche mit Großhöhle vor Kiefernkultur

 

Hessen-Forst Lampertheim erntet aus Holzgier mehr Buchen als nachwachsen. Und das soll nachhaltige Forstwirtschaft sein? Das ist Buchenwaldzerstörung, im Schutzgebiet!

 

 

Wenn durch diese krassen Buchenauflichtungen der Restbestand wegen starker Besonnung eingeht, ist das nicht durch Klimawandel verursacht sondern durch Forstwirtschaft!
Hessen-Forst Auflichtungen sorgen für "Abbrutzeln" der Randbuchen.
Man sieht deutlich in FFH Buchenwaldabschnitten, deren Kronendach noch geschlossen ist, dass schattiger Buchenwald die beiden letzten heißen, trockenen Sommer sehr gut überstand.
Sowie Hessen-Forst Buchen plündert und auflichtet, treten nach kurzer Zeit massive Kollateralschäden ein. Ist dokumentiert, ist Fakt.

 

 

Das Forstamt richtet hier fleißig seit Jahren immensen Natura 2000 Waldschaden durch holzgierige Prioritätensetzung mit riesengroßen Kollateralschäden seiner Forstmaschinen an. Diese "Ursache und Wirkung" sieht bereits jeder Erholungssuchende, der hier regelmäßig den Wald besucht.
Auf Erholungsuchende wird auch keine Rücksicht genommen. Früher schöne Waldwege werden in 8m breite Waldautobahnen verwandelt. Und prächtigen Altbäumen werden die Äste abgehackt, mit 3m Abstand vom Weg, mitten im Wald. Wozu?

 

 

Das Forstamt bringt seit Jahren viel zu viel Licht mit Sonne in frühere schattige Buchenwaldgebiete! Und pflanzt danach dort flächendeckend Kiefernplantagen! Dieser negative Waldumbau verstößt eindeutig gegen EU-Natura 2000 FFH-Richtlinien.

Zusätzlich plant es noch mehr schädliche Neophyten-Plantagen mit Roteichen. Weil die schneller wachsen als heimische Buchen. Denn dort, wo Roteichen wachsen, da wachsen Rotbuchen allemal.

 

 

Heute, 1.2.2020  stand in der Zeitung, dass das Forstamt Lampertheim unsere letzten intakten Buchenwälder sukzessive in Kiefernforste umbauen will.

 

 

Geht's noch? Schlimmer geht's nimmer!

 

 

Tolle Zukunftsaussichten für unsere Riedwälder, dank Hessen-Forst "Sägewerkspolitik".

 

 

 

 

Foto Jan 2020 Westlicher FFH Reliktwald Lampertheim mit Kiefernaufforstung. Die gepflanzten "Alibi"- Laubbäume dazwischen gehen oft zügig ein, siehe leere Hülle. Dagegen kommen auch dort überall gesunde Rotbuchen von allein.
Foto Jan 2020 Westlicher FFH Reliktwald Lampertheim mit Kiefernaufforstung. Die gepflanzten "Alibi"- Laubbäume dazwischen gehen oft zügig ein, siehe leere Hülle. Dagegen kommen auch dort überall gesunde Rotbuchen von allein.

Weitere Informationen zur Kritik an forstwirtschaftlichem Vorgehen in den Wäldern:

Download
Die 10 Sünden försterlicher Waldbehandlung (Fähser 2019)
Die 10 Sünden försterlicher Waldbehandlu
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https://waldreport.de

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