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Bayern: ÖDP stellt Strafanzeige gegen die Bayerischen Staatsforsten!

Geschlossene Baumkronenbereiche schützen das Waldinnenklima. Die aktuell praktizierte hohe Entnahme alter Bäume ist  deshalb kritisch zu bewerten. Zudem sind gerade die Altbäume Hotspots der Artenvielfalt.
Geschlossene Baumkronenbereiche schützen das Waldinnenklima. Die aktuell praktizierte hohe Entnahme alter Bäume ist deshalb kritisch zu bewerten. Zudem sind gerade die Altbäume Hotspots der Artenvielfalt.

Was Waldschutzinitiativen seit Jahren bemängeln, die sogenannten „legalen“ Eingriffe der Forsten in FFH- und Naturschutzgebiete durch Fällungen gesunder alter Bäume mit den zweifelhaften Begründungen der „Waldverjüngung“ oder des „Waldumbaus“ stösst bei Bürgern auf immer lauter werdende Kritik. Reaktion darauf: keine. Die ÖDP nimmt dies nun zum Anlass, Strafanzeige zu erstatten.

 

Grund sind massive Laubbaum-Fällungen, bei denen den Bayerischen Landesforsten Unverhältnismäßigkeit der Eingriffe, Missachtung der Vogelbrutzeiten und Verstoß gegen die bayerische Verfassung und gegen das bayerische Naturschutzgesetz vorgeworfen wird.

 

In einer Pressemeldung zum „Kahlschlag an der Mangfall“ werden Details zu den massiven Eingriffen in das Naturschutzgebiet veröffentlicht.

 

Es wurde, wie dort weiter ausgeführt, „von den Bayerischen Staatsforsten in großem Ausmaß und über eine Strecke von über 7 Kilometern zwischen Waldheim und Bad Aibling Auwaldbestand im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet gerodet.“

 

Begründung: Verkehrssicherungspflicht und Eschentriebsterben.

 

 

 

Alte Eschen - selten und Hotspots der Biodiversität! Bild: S. Ecker
Alte Eschen - selten und Hotspots der Biodiversität! Bild: S. Ecker

 

Es wurde „ mit schweren bodenverdichtenden Maschinen gearbeitet und trotz Brutzeit der Vögel „bis in die zweite Märzwoche brutal in den Auwaldbestand eingegriffen und offensichtlich auch gesunder Bestand abgeholzt… Bis sich der Bestand erholen kann, wenn überhaupt, wird dies mehrere Jahrzehnte dauern.“

 

Auch die Umweltverbände erhöhen nach den jüngsten massiven Fällungen den Druck auf die Bayerischen Staatsforsten im Umgang mit dem Staatswald.

 

So fordern der BUND Naturschutz in Bayern, der Landesbund für Vogelschutz, Greenpeace und die Gregor Luisoder Umweltstiftung für die Waldflächen in den dortigen Naturschutzgebieten eine „sofortige Ausweisung als nutzungsfreier Naturwald“ gemäß Waldgesetz. Außerdem müsse das Umweltministerium die Führung der Debatte übernehmen.

Die vier Verbände fordern in den Staatswäldern an der Weltenburger Enge eine Nutzungsaufgabe als „Leuchtturm-Projekt“.

 

 

Im Leserbrief eines Bürgers, abgedruckt am 16.03.2020 in der SZ unter dem Titel "Umgesägte Buchen bei Kehlheim- Staatsforst verschleudert unser Naturerbe" heißt es: "Blumen pflücken verboten, Absägen von 200 Jahre alten Buchen erlaubt".

 

"Der Schutz von Bäumen ist in den betreffenden Naturschutzgebietssatzungen nicht vorgesehen. Die ordnungsgemäße Forstwirtschaft ist ausdrücklich von den Verboten ausgenommen. Traurig aber wahr. Dies war der politische Wille bei der Ausweisung der Naturschutzgebiete. … Statt Parkbäume in München zu umarmen bitte ich Herrn Ministerpräsident Markus Söder in allen Naturschutzgebieten ein Einschlagsmoratorium für den Staatsforst zu erlassen, bis in jeder Naturschutzgebietssatzung, die für den Biotoptyp sinnvollsten Regelungen für die Forstwirtschaft rechtsverbindlich festgelegt sind. Alles andere ist Pseudonaturschutz… Wo ist der Wille unserer Politiker ernsthaft naturnahe Wälder zu erhalten und wachsen zu lassen? "

 

Hier die Langversion des Leserbriefes als PDF.

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Staatsforst verschleudert Naturerbe.pdf
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Immer wieder stellen wir fest, dass Bürgern von den Forsten jegliche fachliche Kenntnis abgesprochen wird. Zu Unrecht, denn viele Initiativen sind breit informiert und die Forstausbildung ist vorrangig eine Holzwirtschaftsausbildung. Ökologische Belange eines naturnahen, artenreichen und stabilen Waldes kommen nachweislich dort viel zu kurz und werden nach Auskunft von Anwärtern in der Försterausbildung auch nicht als vorrangig für die spätere Tätigkeit betrachtet. Das muss sich dringend ändern, wenn wir den Wald vor Übernutzung und Artensterben schützen wollen. Wann diese Erkenntnis sich durchsetzen wird, hängt aber von ministerialen Beratern ab, die bislang jedenfalls vor allem die alte Schule des profitablen Holzeinschlags hochhalten.