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Bayern: Tabula Rasa im Naherholungswald im Nürnberger Land

Die durch den Corona-Virus verursachte „Ausgangsbegrenzung“ in Bayern veranlasste mich, einen Spaziergang im  Naherholungsgebiet, wenige Schritte von meinem Haus zu unternehmen. Dabei war es mir wichtig nicht das Auto zu benutzen, keine größeren Entfernungen zurückzulegen und die Erholungsfunktion des fußläufig erreichbaren Waldes zu nutzen.

 

Erholungsfunktion des Waldes

 

Nach nur wenigen Schritten im nahegelegenen Wald war es vorbei mit der Erholungsfunktion des Waldes. Es zeigte sich ein Bild der Verwüstung, stapelweise mit Maschinen geerntete Kiefernstämme, riesige Holzhaufen bestehend aus den nicht verwerteten Ästen, Zweigen und Baumkronen, unzählige umgefahrene oder kurzerhand abgesägte Buchen und tiefe mit Wasser gefüllte Gräben, verursacht durch die tonnenschweren Erntemaschinen.

 

 

Ökologie, Erhalt des Ökosystems Wald, Nachhaltigkeit, Artenvielfalt

 

Diese Erntemaßnahmen erfolgten während der geschützten Vogelbrutzeit und sind noch nicht abgeschlossen. Es ist zudem absolut nicht nachvollziehbar, dass trotz riesiger Mengen an vorhandenem Schadholz, bedingt durch die beiden letzten trockenen Jahre und dem Borkenkäferbefall, großflächig immer noch weiter Holzeinschlag betrieben wird. Auf der einen Seite klagt man über Engpässe beim zeitnahen Entfernen des Schadholzes aufgrund von Personal und Maschinenengpässen, auf der anderen Seite werden kontinuierlich weitere gesunde und insbesondere alte Bäume aus dem Wald entfernt. Während die Haus-und Gartenbesitzer die gesetzlichen Regeln bei der Gartenpflege während der Brutzeit einhalten müssen, werden im nahegelegenen Wald die Wünsche der Sägewerke rund um die Uhr mit Nachdruck erfüllt.

 

Ein kritischer Blick auf das Ergebnis der Bewirtschaftung zeigt, von nachhaltigem Bewirtschaften keine Spur, umgefahrene und abgesägte Buchen bis zu einem Stammdurchmesser von ca. 20cm, abgerissene Weiden, eine enorm wichtige erste Nahrungsquelle für die Bienen nach dem Winter.

 

 

Wirtschaftlichkeit, Ertrag des geernteten Holzes, „gute fachliche Praxis“

 

Die mittel- bis langfristige wirtschaftliche Rentabilität und Ertragskraft des Waldes als Ergebnis dieser den Wald zerstörenden Bewirtschaftung muss deshalb absolut in Frage gestellt werden. Des Weiteren die Qualität der „guten fachlichen Praxis“, die Fachkompetenz für das Ökosystems Wald, reduziert sich aus meiner Sicht auf die Fachkompetenz eines Holzfällers.

 

Das häufig gebrauchte Argument, dass durch die lokale Bewirtschaftung und Holzgewinnung der Einschlag von Tropenholz reduziert wird, ist falsch wie einige Beispiele zeigen. So hat die Abholzungsrate in Brasilien seit Januar 2019 um 30% zugenommen, tausende Quadratkilometer Urwald wurden zur Erweiterung der Landwirtschaft abgeholzt oder gingen in Flammen auf. Ein weiteres Beispiel sind die Wälder Guineas, Ghanas, Gambias, des Senegals und weiterer westafrikanischer Staaten, wo Palisander und Ebenholz in riesigen Mengen nach China exportiert werden, die Wälder verschwinden und mit ihnen die Artenvielfalt (681 Vogelarten, 694 Fischarten, 257 Säugetierarten).

 

Klimaschutz, Grundwasserbildung, Bodenverdichtung

 

Der industriell bewirtschaftete Wald verliert mehr und mehr seine Funktion als CO2-Senke, Schadstofffilter und Klimaanlage. Das Fehlen der Altbäume mit ihren großflächigen Blätterdächern hat auch eine zeitlich immer früher zu beachtende Brandgefahr im Wald zur Folge.

 

 

Weitere gravierende Auswirkungen dieser industriellen Waldbewirtschaftung zeigen sich in einer deutlich schlechteren Grundwasserbildung und der nicht umkehrbaren Bodenverdichtung mit all ihren nachteiligen Auswirkungen für die Bodenökologie. Dies sind alles bereits bekannte und richtige Argumente!

 

 

Volksbegehren „Rettet die Bienen“, Umbau des Waldes

 

Eine kritische Bewertung der aktuellen Ergebnisse, resultierend aus dem bayerischen Volksbegehren „Rettet die Bienen“, offenbart: „es hat sich wenig verändert!“ Die industrielle Waldbewirtschaftung findet weiterhin ungehindert und großflächig statt, "kreative" Ideen, wonach gesundes Holz aus dem Wald geholt werden muss, gibt es zuhauf. Ein tatsächlicher Waldumbau ist nicht erkennbar, zumal immer noch ein großes Rätselraten darüber stattfindet, welche Bäume für welchen Standort geeignet sein könnten. Die BBIWS wird sich deshalb in regelmäßigen zeitlichen Abständen die betroffenen Waldgebiete genauer anschauen, ob und ggf. wie ein Umbau des Moosbacher Naherholungswaldes stattfindet.

 

Text und Bilder: Herbert Fahrnbauer im März 2020