RLP Neustadt a.d.Weinstraße: Forstwirtschaft soll auf CDU Antrag im Stadtwald viel mehr Holz einschlagen

Waldschutz weicht dem Geldsäckel

 

Wir als Kernteam der BBIWS veröffentlichen hier einen offenen Brief der BI Walderhaltung an die Stadtverwaltung Neustadt und die von ihr unter Druck gesetzte Forstverwaltung, die im Rahmen wichtiger Klima- und Waldschutzaufgaben den Wald für Hitzezeiten dicht und damit resilient halten und dadurch auch die Grundwasserspeisung sichern soll.

Das scheint aber für die CDU Stadträte kein Grund zu sein, auf hohe Einschläge zu verzichten, sie im Gegenteil sogar einzufordern! Man hat offenar nur das Geldsäckel im Auge, denn die staatlichen und kommunalen Forstbetriebe sind ja schon lange keine den Wald vorrangig pflegenden "Ämter" mehr, sondern vielmehr bilanzierende Betriebe, die man in den "schwarzen Zahlen" sehen möchte. Das allerdings ist Augenwischerei. Die Forstwirtschaft insgesamt wird aus Steuergeldern massiv subventioniert. Man fragt sich in diesem Zusammenhang wirklich, ob in der Politik an die kommenden Generationen überhaupt noch ein Gedanke im wahrsten Sinne des Wortes "verschwendet" wird. Statt an die Holzsparsamkeit in unserer Gesellschaft zu appellieren und die Ressourcen zu schonen - wobei es beim Wasserverlust dem Leben ja insgesamt an den Kragen geht - leuchten offenbar nur die Dollarzeichen in den Augen. Wir sind davon überzeugt, dass mit dieser gravierenden Erhöhung der Holzeinschlagszahlen keine Verbesserung der städtischen Haushaltsbilanz erreicht werden kann. Ganz im Gegenteil, der Verkauf des "Tafelsilbers", sprich ein gesundes für die Bevölkerung zwingend notwendiges Waldökosystems, ist aus unserer Sicht der absolut falsche Weg.

 

Interessanterweise wird in der Begründung für den Antrag als erstes der Klima- und Umweltschutz erwähnt! Man reibt sich die Augen... Und weiterhin folgt der von Unkenntnis zeugende Satz: "Auch in Punkto CO2-Speicherung und Klimaschutz ist es ein Trugschluss zu glauben, dass ein reduzierter Holzeinschlag langfristig mehr CO2 bindet. Vielmehr verringert sich das Dickenwachstum der Bäume durch zu viel Konkurrenz untereinander.“ Falls das die Politik interessiert: bei starker Freistellung wird das Höhenwachstum eingestellt und die Krone wird tiefer und größer ausgebildet. Der Holzzuwachs im Stamm geht  jetzt in die Breite und nicht in die Länge zum Licht. Mit der CO2 Speicherfähigkeit hat das wenig zu tun, wohl aber mit dem sogenannten "Heißschlagen" der Wälder. Aber das kann ein Förster der Politik sicher noch viel besser erklären. Freistellung macht nur dann Sinn, wenn es um die Lichtkonkurrenz von Baumarten geht, also etwa zwischen Kiefern/Fichten und Eichen im Verhältnis zu Buchen. 

 

Übrigens - Deutschland ist der viertgrößte Exporteur von Rohholz und der drittgrößte Exporteur von Schnittholz der Welt (1), China hingegen hat die Einschläge im eigenen Land auf ein Mininum begrenzt und importiert vorrangig aus anderen Ländern, um seine Wälder zu schonen. In wichtigen Staatswäldern, wie dem Großen Hinggan-Gebirge, ist der kommerzielle Holzeinschlag seit 2015 vollständig verboten. Die betroffenen Waldgebiete werden nicht nur geschützt, sondern auch durch gezielte Pflegemaßnahmen und Aufforstung wiederhergestellt. Die chinesische Regierung hat in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von strengen Maßnahmen zum Schutz der heimischen Wälder eingeführt.  Gleichzeitig übt Chinas hoher Holzbedarf einen erheblichen Druck auf die Waldressourcen anderer Länder aus, insbesondere in Regionen mit begrenzten Schutzmaßnahmen. Den Grund dafür kann man sich denken. Es braucht nicht viel Weitsicht, um den Verlust an intakten Waldflächen in direktem Zusammenhang mit Starkregen, Hangrutschen, Wassermangel, Austrocknung, Hitzeglocken und Bodenerosion zu sehen. Allerdings: Weitsicht ist nicht angeboren - man muss ihn sich mit offenem Blick und Kenntnisreichtum für die jeweiligen Zusammenhänge erwerben. Das scheint aber vorliegend in der Stadtverwaltung nicht gegeben...

 

(1) https://www.hum-id.com/holzbestand-und-holzhandel #:~:text=Deutschland%20viertgrößter%20Holz-Exporteur,Droht%20ein%20Ausverkauf%20des%20Waldes?

 

(2) https://german.cri.cn/2025/04/28/ARTI1744101379793402

 

 Hier zunächst der Antrag, den die CDU Fraktion im Neustadter Stadtrat gestellt hat.

 

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 Fahrgassen für Harvester am Neustädter Königsberg. Häufige Fahrgassen fragmentieren das Bestandsgefüge sehr stark und verändern Licht- und Temperaturparameter. Tonnenschwerer Maschinenverkehr komprimiert den Waldboden, reduziert das Porenvolumen und die Wasseraufnahme. Diese Verdichtung hemmt das Wurzelwachstum und die Entwicklung von Bodenlebewesen.

 

 

Offener Brief an den Stadtrat und die Forstwirtschaft von Neustadt an der Weinstraße

 

 Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Mehrheitlich stimmte der Stadtrat von Neustadt dem Antrag von CDU Stadträten zu, die Einschlagsmenge im Stadtwald zu erhöhen – mit dem Ziel, sich dem vom Forsteinrichtungswerk vorgegebenen Richtwert von 18000 Festmeter anzunähern. Als Begründung wurden angeblich hohe Defizite in den vergangenen Jahren angeführt.

 

Laut aktuellen Angaben dürfen seit der Forsteinrichtung 2011 jährlich bis zu 25000 Festmeter nachhaltig entnommen werden. Bemerkenswert ist dabei, wie sprunghaft sich die Zahlen verändern. Bis zum Jahr 2024 galten noch 18000 Festmeter als Richtwert – im Jahr 2025 plötzlich 25000 Festmeter.

 

Diese rasche und kaum nachvollziehbare Anpassung wirft Fragen auf. So riskiert man nicht nur die ökologische Stabilität, sondern setzt auch das empfindliche Gleichgewicht des Waldes aufs Spiel. Wird hier Nachhaltigkeit zugunsten kurzfristiger Gewinne geopfert?

 

Sehen sich die Förster aufgrund des Stadtratsbeschlusses, den Holzeinschlag im Stadtwald Neustadt zu erhöhen, veranlasst Maßnahmen zu ergreifen um die Effektivität der Holzernte zu steigern?

 

Denn vor einigen Tagen war ich am Königsberg spazieren und war entsetzt.

 

Der früher geschlossene Waldbestand war fragmentiert von vielen Fahrgassen für die tonnenschweren Holzerntemaschinen Harvester und Forwarder. Laut FSC Standard muss der Gassenabstand mindestens 20 Meter betragen und soll eine Durchfahrbreite von 4 Meter nicht überschreiten. Bei einigen Gassen wurde der Mindestabstand und die Durchfahrbreite nicht eingehalten.

 

Diese katastrophalen Eingriffe, von der Forstwirtschaft als naturnahe Waldbewirtschaftung propagiert, bedrohen den Wasserhaushalt, die Biodiversität und zerschneiden die Lebensräume.

 

Die verbliebenen Bestandsfragmente werden zusätzlich, zu den Fahrgassen, durch übermäßige Baumentnahme stark aufgelichtet. Die Temperatur in diesen Beständen steigt, durch intensive Sonneneinstrahlung, stark an und trocknet diese aus.

 

Das wird Durchforstung oder Pflegemaßnahme genannt um sogenannte Z- Bäume freizustellen.

 

Während schonende forstliche Eingriffe von der Natur, größtenteils kompensiert werden können und konnten, führt der Einsatz moderner tonnenschwerer Großmaschinen, wie Harvester und Forwarder, zunehmend zu tiefgreifenden Störungen im Ökosystem Wald.

 

Um den Einsatz dieser schwergewichtigen Maschinen zu rechtfertigen führt die Forstwirtschaft die Arbeitssicherheit, Effektivität und die, durch die Fahrgassen, planbare Erschließung der Wirtschaftsforste, man muss es schon Industrieforste nennen, an.

 

Demgegenüber stehen:

 

- Nachhaltige Zerschneidung der Lebensräume durch die Fahrgassen, auch Rückegassen genannt.

 

- Nachhaltige Verdichtung des Waldbodens und Schädigung der Bodenstruktur.

 

- Nachhaltige Schädigung des Wasserhaushaltes.

 

- Nachhaltige Schädigung des Edaphons, welches wichtig ist für einen gesunden Humusreichen Bodenaufbau.

 

- Nachhaltige Fragmentierung und Umwandlung der Wirtschaftswälder in Industrieforste.

 

- Nachhaltige Beeinträchtigung des Pflanzenwuchses.

 

- Nachhaltige Schädigungen der Artenvielfalt.

 

- Nachhaltige Umwandlung der Kohlenstoffsenke Wald in eine Kohlenstoffquelle Forst.

 

- Nachhaltige Schädigung des Erosionsschutzes durch Auflichtung des Kronendaches.

 

- Nachhaltige Reduzierung der Arbeitsplätze.

 

Man kann also in diesem Zusammenhang wirklich von einer „nachhaltigen" Forstwirtschaft sprechen. Mit der Entwicklung moderner Maschinen wird besonders auf die Effektivität und Arbeitserleichterung geachtet nicht aber auf einen schonenden Umgang mit dem Ökosystem Wald. Wer Wälder lediglich als Holzproduktionsstätten- und Bäume nur als Rohstofflieferanten sieht und diese ausschließlich nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen taxiert, zeigt ein fundamentales Defizit an ökologischem Verständnis.

 

Die Annahme, dass die Z- Baum Freistellung das Dickenwachstum fördert, ist nur bedingt zutreffend. Denn durch die Lichtraumschaffung wird in erster Linie der Kronenzuwachs beschleunigt da die meisten Baumarten ein geschlossenes Kronendach bevorzugen. Jedoch wächst der Stammumfang nicht proportional zur Krone. Dies und das Öffnen der Bestände kann zur erhöhten Windanfälligkeit des Baumes führen.

 

Zudem führt die Lichtraumschaffung zu einer verstärkten Erwärmung des Waldbodens, wodurch die mikrobielle Aktivität zunimmt. Infolgedessen werden organische Substanzen rascher abgebaut und der zuvor im Boden gespeicherte Kohlenstoff als CO2 freigesetzt.

 

Im Artikel „Stadtwald“, auf der Homepage der Stadtverwaltung Neustadt unter Natur und Umwelt zu finden, wird stolz verkündet: dass im Stadtwald alle 15 Minuten ein m3 Holz nachwächst - HOLZ? Unerwähnt bleibt aber in diesem Artikel, wieviel Bäume erkrankt leiden, ums Überleben kämpfen und letztendlich sterben.

 

Man macht dafür den Klimawandel und sogenannte Schadinsekten verantwortlich.

 

Aber die „Waldpflege“, wie von einem Großteil der Forstwirtschaft praktiziert, schwächt den Wald und lässt ihn mehr und mehr erkranken, sodass er anfälliger für Pilze, Insekten und Bakterien wird und langsam abstirbt.

 

 Der Wald gehört nicht der Forstwirtschaft, dem Stadtrat oder der Stadtverwaltung, sondern ist eine wichtige Lebensgrundlage für uns alle, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Wir verlangen eine schonende Behandlung unseres noch verbliebenen Stadtwaldes und keine gewinnorientierte Ausbeutung.

 

Ökologie muss vor Ökonomie stehen.

 

BI Walderhaltung

Mitglied in der BundesBürgerInitiative Waldschutz (BBIWS)

 

 

Bild oben links, im Hintergrund zu sehen: Fahrgassen für Harvester oberhalb vom Heidenbrunnen Tal. Der Gassenabstand beträgt gerade einmal 10 Meter. Diese höhere Flächenbeanspruchung kann zu langfristigen ökologischen Schäden führen. Frost verhindert kurzfristig tieferes Einsinken und verdeckt dauerhafte Schädigungen.

 

Bilder rechts oben und unten li/re

 Wie man am Baumstumpf und auch an der Stirnseite dieser Eiche erkennen kann war sie gesund und war auch nicht zur Fällung vorgesehen. Offensichtlich stand sie dem Harvesterfahrer im Weg und wurde deswegen abgeholzt. Ebenso die Rotbuche auf nachfolgendem Bild. Denn es wurde auch kein Kronentrennschnitt vorgenommen, vermutlich enden diese Bäume als Brennholz.

 

Schäden am Waldbestand durch den Harvester.

 

Alte Rückegasse, man sieht noch immer sehr deutlich die eingedrückten Fahrspuren. Das bedeutet auch nach etlichen Jahren verdichteter Boden mit oben genannten starken Einschränkungen.